Selbstbestimmt Wohnen

Was selbstbestimmtes Wohnen auch für schwerstkranke Menschen bedeutet, hören Sie im Podcast moderiert von Marco Gurtner mit Janina Gonnella (Wohnbegleiterin), mit dem Vater und der Schwester unseres langjährigen Kunden Gian-Luca T., der im niederschwelligen Wohnen an der Weissensteinstrasse 12 lebte.

Gian-Luca ist im Alter von 40 Jahren im Beisein seiner Familie im Januar 2024 in einem Berner Spital verstorben.

Selbstbestimmtes Wohnen und Umsetzung der Housing-First-Prinzipien

Seit 2016 basiert Wohnenbern die Begleitung der Kund*innen auf die Fachkonzepte Sozialraumorientierung und Personenzentrierung und lehnt sie den Housing-First-Prinzipien an. Diese Prinzipien entkoppeln den Erhalt von Wohnraum mit den Bedingungen wie zum Beispiel der Teilnahme an Therapien oder an Beschäftigungsbemühungen.

Um die Umsetzung der Prinzipien noch zu schärfen, fanden im Jahr 2023 zusammen mit Prof. Dr. Jörg Dittmann und Dr. Zsolt Temesvary von der Fachhochschule Nordwestschweiz, den Mitarbeitenden von Wohnenbern und Ralph Miltner, dem Obdachlosenkoordinator der Stadt Bern, drei Workshops statt. Entstanden ist ein Konzept, welches bestätigt, dass Wohnenbern die Grundlagen des Housing First Ansatzes bereits erfolgreich umsetzt und gleichzeitig aufzeigt, dass weiteres Optimierungspotential vorhanden ist. Dabei handelt es sich um folgende Punkte:

1. Um dem Prinzip des «Wohnens als Menschenrecht» zu folgen wird angestrebt, dass die Untermietverträge überarbeitet werden. Diese werden künftig keine Zusammenarbeitsbedingungen mehr enthalten, sondern lediglich mietrechtliche Bestimmungen. Die Kündigung des Mietverhältnisses wird nur in Betracht gezogen, wenn es zu Verstössen gegen die Bestimmungen des Mietvertrags oder der Hausordnung kommt.

2. Die FHNW empfiehlt, niederschwellige, fakultative und bedarfsspezifische Begleitungsangebote weiter auszubauen. Konkret in Planung ist die Zusammenarbeit mit einem*einer Heimpsychiater*in, der*die in Krisensituationen zeitnah und - falls notwendig - auch längerfristig beigezogen werden kann, so dass auch Kund*innen mit erhöhten medizinischen Bedürfnissen im Wohnangebot bleiben können, was eine weitere Entkopplung von Wohnen und Betreuung ermöglicht.

3. Bisher wurden schadensmindernde Massnahmen hauptsächlich in den niederschwelligen Angeboten für stark abhängigkeitserkrankte Personen umgesetzt wurden. Das Prinzip der «Harm Reduction» soll künftig in allen Bereichen - also auch bei Kund*innen, die nicht an einer Abhängigkeitserkrankung leiden - berücksichtigt werden. Dazu werden in einem nächsten Schritt in Zusammenarbeit mit der BFH-Gesundheit erhöhte Gesundheitsrisiken ausgewählter Kund*innen analysiert und Massnahmen zur Minimierung dieser Risiken ausgearbeitet.

Die Umsetzung des Housing-First-Ansatzes ist auch für die Stadt Bern ein Thema. Im März 2023 hat der Stadtrat mit Stadtratsbeschluss Nr. 2023-126 die Motion Fraktion GB/JA! «Housing First auch in Bern» als Richtlinie erheblich erklärt. Diese fordert den Gemeinderat auf, in Bern ein Pilotprojekt nach den Prinzipien von Housing-First auszuarbeiten und durchzuführen.

Medienmitteilung «Stadt plant mehr Notschlafplätze für obdachlose Menschen»

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Genau bilanzieren und abrechnen
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«Dank einer sehr hohen Auslastung aller Angebote im betreuten und begleiteten Wohnen konnte Wohnenbern 2023 einen positiven Jahresabschluss erwirtschaften.»

Ein Zuhause erhalten
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Tanja S., Roman S., Dänu K. und Jonas D. haben ihr Zuhause bei Wohnenbern. Wie sie wohnen und was Wohnen für sie bedeutet, erzählen sie gemeinsam mit Anja Frei, ihrer Wohnbegleiterin und psychosozialen Beraterin im Podcast.

Individuell begleiten
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Seit Beginn des Jahres 2024 gehört neu das frauenspezifische Angebot «FrauenWG» zu Wohnenbern.

Am Leben teilhaben
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Mit insgesamt 73 Anlässen im letzten Jahr nahmen die soziokulturellen Anlässe im DOCK8 2023 richtig Fahrt auf. Dies ist mehr, als das Projektteam je geplant hat und fast doppelt so viel wie das Jahr davor.

Integriert arbeiten
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Im Jahr 2023 stellte Wohnenbern 15 Menschen Beschäftigungs- und Arbeitseinsatzmöglichkeiten in der Küche, im Service sowie in der Hauswirtschaft zur Verfügung. Insgesamt wurden über 2000 Stunden geleistet, was rund 270 Arbeitstagen entspricht.

Selbstorganisiert Arbeiten
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2023 hat sich Wohnenbern mit Unterstützung der Gesundheitsförderung Schweiz auf den Weg gemacht, ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) zu implementieren.

Fein essen und geniessen
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Durch die bunt gemischte Vielfalt der Gäste des Restaurants, die Ratsuchenden des niederschwelligen Beratungs- und Präsenzdienstes und die Teilnehmenden am breiten Kulturangebot ist das DOCK8 seinem Anspruch als Ort für alle gerecht geworden.