In den Liegenschaften an der Weissensteinstrasse 12 und 10 - einem in der Stadt Bern einzigartigen niederschwelligen Wohnangebot für Menschen mit komplexen sozialen, psychischen und/oder substanzgebundenen Problemlagen - ist eine Weiterentwicklung geplant.

Wohnenbern betreibt mit den Liegenschaften Weissensteinstrasse 12 (W12) und 10 (W10) seit zehn Jahren ein über die Stadt Bern hinaus einzigartiges Angebot im Bereich des niederschwelligen Wohnens für Menschen mit komplexen sozialen, psychischen und/oder substanzgebundenen Problemlagen.
Trotz der kontinuierlich getroffenen Massnahmen zur Verbesserung der Situation in beiden Liegenschaften hat sich die Lage in und um die beiden Häuser im letzten Jahr nicht massgeblich verbessert. Der Alltag in den Angeboten stellt sowohl für die Mitarbeitenden wie auch für den Sicherheitsdienst und manchmal auch für die Nachbarschaft eine grosse Herausforderung dar.
Immer wieder kam es durch das Eindringen obdachloser Drittpersonen zu brenzligen Situationen und zu erheblichen Sachschäden, wie z.B. zerstörte Fenster und Türen oder entwendetes Mobiliar. Für 33 externe Personen musste ein Hausverbot erstellt werden. In zahlreichen Interventionen im und vor dem Haus musste die Kantonspolizei herbeigerufen werden. Diese Situation führen wir in erster Linie auf die Zunahme der Zahl obdachloser Menschen in der Stadt Bern, die Überflutung des Markts mit günstigeren und/oder stärkeren Substanzen sowie auf eine Zunahme der Gewaltbereitschaft im Umfeld des Klientels zurück.
Vor diesem Hintergrund reichte Wohnenbern ein Projekt an den Kanton ein, um einen stabileren und sicheren Betrieb für die Kund*innen des niederschwelligen Angebots, für die Mitarbeitenden und für die Nachbarschaft sicherzustellen. Der zusätzliche Bedarf an baulichen Massnahmen, die Erhöhung des Sicherheitsdienstes während der Nacht und die Erhöhung personeller Ressourcen im Angebot wurde vom Kanton gutgeheissen. Die Umsetzung aller Massnahmen ist auf Juli 2026 geplant.
Simon Plüss, Wohnbegleiter & psychosozialer Berater im W12: «Die subjektive Lebensqualität spielt bei uns eine zentrale Rolle. Viele unserer Klient*innen kommen nicht mit dem primären Ziel der Abstinenz, sondern möchten Stabilität, Sicherheit oder einfach eine Verbesserung ihres Alltags erreichen. Dabei hilft uns die Orientierung an den acht Grundprinzipien des Housing First Ansatzes, sowie unsere sozialraumorientierte und personenzentrierte Arbeitsweise. Wenn jemand sagt, ‘mir geht es besser, weil ich wieder regelmässig esse, schlafe und ein Dach über dem Kopf habe’, ist das für uns bereits ein erster Erfolg. Stabilisierung durch Wohnen ist oft der Einstiegspunkt für weitergehende Veränderungen beziehungsweise Verbesserung der subjektiven Lebensqualität.
Konflikte zwischen Unterstützen und Selbstbestimmung erlebe ich täglich. Zum Beispiel, wenn jemand Angebote wie Arzttermine, Suchtberatung und Begleitung allgemein konsequent ablehnt. Da stellt sich immer die Frage: Wo begleite ich nur so wenig wie möglich und wo greife ich ein, bzw. muss ich sogar eingreifen, um meine Verantwortung wahrzunehmen? Das ist immer ein schmaler Grat. Das Ziel ist jedoch immer, im Dialog und in der Beziehung zu bleiben.»
